Angst beim Biken überwinden

(Lesezeit: 4 Minuten)

10 Tipps für mehr mut beim biken

Du kennst es. Ich kenne es. Jeder Biker kennt es. Die Situation auf dem Trail, in der man sich in die Hose macht. In diesem Beitrag setzen wir uns mit den Hintergründen der Angst beim Mountainbiken auseinander und was wir dagegen tun können.

 

Wir beantworten die Frage, weshalb die oben genannten Titel "Angst beim Biken überwinden" und "Tipps für mehr Mut beim Biken" schwachsinnig sind und nichts mit "besserem Biken" zu tun haben. Und du erfährst, warum und ich dir niemals 10 Tipps für mehr Mut geben werde.

Angst beim biken - etwas schlechtes?

Angst beim Biken ist etwas Gutes, wenn mit ihr richtig umgegangen wird. Sie hält uns ab, etwas Dummes zu tun und beschützt uns deshalb vor Gefahren. Diese lauern überall auf dem Biketrail auf uns. Angst zeigt uns auch gut auf, worin wir uns verbessern müssen und ist somit ein toller Indikator für persönliches Wachstum.

 

Angst kann uns aber auch in Gefahr bringen, wenn wir sie ignorieren. Denn wer auf dem Bike Angst hat, ist mental blockiert, körperlich verkrampft und lässt die Angst zu einer selbsterfüllenden Prophezeihung werden.


warum haben wir angst auf dem mtb?

Duden definiert Angst folgendermassen: "mit Beklemmung... einhergehender Gefühlszustand [angesichts einer Gefahr]".

 

Gefahr? Warum ist denn da eine Gefahr?

 

Stell dir vor, du fährst einen Trail hinunter und triffst auf eine schwierige Passage. Jetzt ergreift dich die Angst. Warum? Weil du nicht sicher bist, ob du die Passage fahren kannst. Du kannst den Ausgang nicht abschätzen. Diese Ungewissheit lähmt dich. Du bist dieser Situation schlicht und ergreifend nicht gewachsen.

 

 

 


KAnn ich angst mit mut überwinden?

Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Mut bedeutet, TROTZ Angst etwas zu tun. Ich bin ein absoluter Fan dieser Definition für die meisten Lebenssituationen. Denn nur dadurch, dass wir TROTZ unserer Angst etwas tun, werden wir besser, sprengen wir unsere Komfortzone, können wir konstant lernen und wachsen.

 

Beim Biken halte ich hingegen nichts davon, besonders mutig zu sein. Den Grund dafür liefert wieder der Duden: Mut ist die "Fähigkeit, in einer gefährlichen, riskanten Situation seine Angst zu überwinden". 

 

Die Regel "Sei mutig und werde besser" sollten wir also nicht anwenden, wenn wir uns durch dieses Verhalten körperlich schwer verletzen könnten. Beim Mountainbiken jedoch besteht diese Gefahr in hohem Masse.

 

Wenn wir also auf dem Trail in diese Passage hineinfahren, OBWOHL wir Angst haben, dann sind wir mutig. Es besteht dann zwar die Möglichkeit, dass wir da irgendwie runterkommen. Wir haben uns aber einer nicht kalkulierbaren Gefahr ausgesetzt. Wir waren Passagier, statt Pilot. Salopp gesagt hatten wir einfach nur "Glück". Und wer sich zu oft auf sein Glück verlässt, wird früher oder später vom Glück verlassen.

 

Mut ist also etwas, was wir beim Biken nicht im Übermass haben sollten. Als ehemaliger Downhill Rennfahrer war ich regelmässig mit der Aussage "du bist aber mutig" konfrontiert. Nein. Ein Downhiller ist nicht speziell mutig. Er weiss einfach haargenau, was er tut.

 

Wir dürfen also beim Biken niemals unsere Angst durch Mut verdrängen, sondern müssen dafür sorgen, dass wir gar nicht erst Angst haben müssen.


die angst auf dem bike loswerden

Hast du Angst, zur Arbeit zu gehen? Wohl kaum, denn du weisst, was dich erwartet und du weisst, dass du es kannst.

 

Hast du Angst, wenn du deinen ersten Tag beim neuen Arbeitgeber antrittst? Möglicherweise, denn du weisst nicht genau, was dich erwartet und ob du der Aufgabe gewachsen bist.

 

Übersetzt auf den Bikesport: wir müssen dafür sorgen, dass wir jederzeit Herr der Lage sind. Das wir wissen, was wir können und uns selber diese Grenze auch klar und ehrlich aufzeigen. Wir müssen dafür sorgen, dass wir für jegliche Situationen auf dem Trail gewappnet sind. Dass wir einen Fundus an Techniken verinnerlicht haben und bei Bedarf blitzschnell die richtige aus der Trickkiste ziehen können.

 

Wer mit gezielten Übungen an seiner Fahrtechnik arbeitet, ist auf den Trail vorbereitet. Jeder Trail bietet ein unerschöpfliches Repertoire an möglichen Situationen und Eventualitäten. Wie wollen wir dieser Vielfalt mit Zuversicht begegnen, wenn uns die Werkzeuge dazu fehlen? Wie wollen wir in Sekundenbruchteilen auf diese nasse Wurzel reagieren, wenn uns keine Zeit zum Überlegen bleibt? Wir brauchen Fahrtechniken, die wir tief verinnerlicht haben. 

 

Wenn wir genau wissen, was wir tun, wenn unser Unterbewusstsein genau das abrufen kann, was wir für die jeweilige Situation benötigen, dann gibt es überhaupt keinen Grund mehr, beim biken Furcht zu haben.


Die unbegründete Angst

Es gibt jedoch eine Sorte Angst, die wir gerne in ihre Schranken weisen dürfen: Die unbegründete Angst. 

 

Gesetzt der Fall, du bist auf deinem Hometrail unterwegs und kommst an die Schlüsselpassage, die du schon mehrfach souverän gemeistert hast. Doch heute hast du Angst. Du zweifelst und siehst dich innerlich stürzen.

 

Dann liegt es nicht daran, dass dir die Skills fehlen. Dann liegt es an deinem Mindset. Wie du mit solchen Situationen umgehst, kannst du detailliert in diesem ausführlichen Blogbeitrag nachlesen. Dort habe ich die Kraft der Gedanken etwas näher erläutert. 


keine 10 tipps für mut beim biken

Ich werde dir also niemals 10 Tipps für mehr Mut auf dem Mountainbike geben. Denn Velobeherrschung hat nichts mit Mut zu tun. Mut ist das krampfhafte ignorieren unseres menschlichen Alarmsystems und wird nicht dazu führen, dass wir mehr Freude am Bikesport haben. Im Gegenteil. Wer dem Mut zuviel Gutes beimisst, bringt sich in gefährliche Situationen und wird am Ende in seiner Meinung bekräftigt, dass die Angst vor diesem Trail eben doch berechtigt war. 

 

In diesem Sinne:

 

Auf eine stabile fahrtechnische Basis und happy trails, Holger


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